Referendum gegen die Managerisierung der Volksschule

14.11.11

Referendum gegen die Managerisierung der Volksschule

VON: FELIX BIRCHLER

Der Kantonsrat hat das „Gesetz über die Anpassung des Personalrechts bei Lehrpersonen an der Volksschule“ diskutiert. Der vpod wird dagegen das Referendum ergreifen.

Eine gewichtige Veränderung im Lehrpersonalgesetz betrifft die SchulleiterInnen. Künftig müssen diese nicht mehr über ein Lehrdiplom verfügen. Damit droht eine weitere Managerisierung der Volksschule.

Die bislang gültige Lehrdiplom-Voraussetzung für SchulleiterInnen ist die Garantie dafür, dass in diesen verantwortungsvollen Posten nur Leute mit einem pädagogischen Hintergrund gelangen können. Ohne pädagogische Ausbildung kann sich ein Schulleiter weder in den Arbeitsalltag der Lehrpersonen einfühlen, noch kennt er den Schulzimmeralltag aus eigener Erfahrung. Um beispielsweise Lehrerinnen und Lehrer beurteilen, über Schullaufbahnen entscheiden oder Eltern- Schülergespräche begleiten zu können ist eine pädagogische Grundausbildung unerlässlich. Schulmanager ohne pädagogische Grundausbildung führen zu schlechteren Arbeitsbedingungen für die Lehrpersonen und zu schlechteren Schüler- und Eltern-Betreuungsverhältnissen.

Dass der Kantonsrat die Managerisierung der Volksschule primär aus ideologischen Gründen anstrebt, zeigt sich daran, dass ein rot-grüner Minderheitsantrag, dass SchulleiterInnen wenigstens „in der Regel“ eine abgeschlossene Lehrerausbildung haben müssen, mit 85:74 Stimmen abgelehnt wurde.

Es ist zu befürchten, dass mit der Abschaffung der Lehrdiplom-Voraussetzung das pädagogische Verständnis der künftigen SchulleiterInnen sinken wird und sich Neueinstellungen primär am Managementgedanken orientieren werden.

 

Ebenso unerfreulich ist, dass ein rechtsbürgerlicher Antrag auf Einführung einer Probezeit für Lehrerpersonen eine Mehrheit erhielt. Mit einer Kündigungsfrist von gerade mal 7 Tagen innerhalb einer fünfmonatigen Probezeit kommen in der Umsetzung schwerwiegende Probleme auf die Lehrpersonen und Schulgemeinden zu. So kurzfristig entstehende Vakanzen führen zu Unruhe und schulorganisatorischen Engpässen. Doch auch hier vernebelte die bürgerliche Ideologie das praktische Denken: man will bei den Lehrpersonen die Probezeit einführen, weil sie eben auch bei den anderen kantonalen Angestellten schon existiert. Die dadurch entstehenden Probleme blendete eine Ratsmehrheit einfach aus.

 

Ein kleiner Fortschritt des Gesetzes wäre der Grundsatz, dass alle Lehrpersonen kantonal angestellt werden. Alle? Leider doch nicht. Denn die Deutsch-als-Zweitsprache-Lehrpersonen und die schulischen TherapeutInnen sind davon ausgenommen. Die Aufnahme der DaZ-Lehrpersonen ins Gesetz lehnte der Kantonsrat mit 106:59 Stimmen ab.

Dass diese Ungleichbehandlung der DaZ-Lehrpersonen damit ins Gesetz geschrieben werden soll, ist stossend.

 

Dass „Gesetz über die Anpassung des Personalrechts bei Lehrpersonen an der Volksschule“ bringt eine Managerisierung der Volksschule mit sich. Gleichzeitig enthält es keine gewichtigen Verbesserungen für die Anstellungsbedingungen der Lehrpersonen, sondern schafft mit der Einführung einer Probezeit zusätzliche Probleme.

Der Vorstand der vpod-Sektion Lehrberufe hat sich deshalb einstimmig für die Lancierung eines Referendums entschieden.

Der vpod wird in den nächsten Tagen das Gespräch mit weiteren Lehrpersonalverbänden und Parteien suchen, um ein möglichst breites Bündnis gegen die Managerisierung der Volksschule aufzustellen.

Denn: Eine Schule ist keine Sockenfabrik!